Eine
Torte ist kein Zuckerschlecken – für Antifaschisten.
a) Richterin: Eine Torte ist keine Torte
Vor dem Bochumer Amtsgericht wurde heute für Recht befunden, dass die
Dokumentation des nebenstehenden Plakates auf dieser Webseite eine
Straftat darstellt. Der verantwortliche Redakteur von bo-alternativ.de
wurde von Richterin Heller zu 30 Tagessätzen á 50 Euro verurteilt.
Staatsanwältin Wenzel hatte 70 Tagessätze gefordert. Die Torte sei in
Wirklichkeit eben doch eine versteckte Bombe, so das Urteil. Auf einer
anschließenden Pressekonferenz des Bündnisses gegen Rechts zeigte sich der
DGB-Regionsvorsitzende Michael Hermund sehr betroffen: “Wenn dieses Urteil
Bestand hat, dann wird damit in Zukunft jeder Widerstand gegen
Naziaufmärsche kriminalisiert.” Staatsanwaltschaft und Gericht hatten
argumentiert, dass schon allein die Aufforderung “NPD-Aufmarsch
verhindern!” strafbar sei, weil eine Verhinderung einer nicht verbotenen
Demonstration mit legalen Mittel nicht möglich sei. Als Indiz für die
Gewaltbereitschaft der Comicfigur wurde von der Staatsanwältin die
grimmigen Augenbrauen und die breitbeinige Haltung ins Feld geführt. Uli
Borchers vom Bündnis gegen Rechts stellte im Pressegespräch die Frage, ob
sich die Bochumer Justiz wohl darüber bewusst ist, wie sehr sie mit einem
solchen Urteil die Nazis motiviert. Die Berichterstattung der Medien über
den Prozess wird auf der Sonderseite von Bo-Alternativ zum Tortenprozess
dokumentiert.
http://www.bo-alternativ.de/category/torte/
b) Herzlichen Dank
„...Und jetzt beginnt der eigentliche Skandal: Es gibt offensichtlich bei
der Staatsanwaltschaft Bochum Menschen, die die Macht, den unbedingten
Willen und auch den Einfluss haben, einen solchen Prozess zu ihren Gunsten
zu steuern. Anders ist die jetzige Verurteilung von Martin Budich und die
damit einhergehende Kriminalisierung von Protesten gegen Nazis in unseren
Städten nicht zu erklären.
Und es stimmt sehr traurig, wenn sich RichterInnen und StaatsanwältInnen,
allein schon durch die Verhandlungsführung, vom Urteil gar nicht erst zu
sprechen, nicht zu schade sind, sich vor den Karren derjenigen spannen zu
lassen, die in dieser Stadt politisches Engagement und aktiven
Antifaschismus um jeden Preis verhindern wollen. Richtiggehend schlecht
wird uns allerdings bei dem Gedanken, wie sich die „sympathischen jungen
Damen und Herren“, hier auf dem Bild vor dem Schauspielhaus auf der Demo
am 25.10.2008, gegen die zu demonstrieren sich Martin Budich erdreistet
hat aufzurufen, nun freuen und sich einen weglachen. Es muß nämlich ein
geiles Gefühl sein, Plakate wie „Multikulti ist Völkermord“ unter dem
Schutz von Hunderten von Polizeibeamten durch unsere Stadt zu schleifen zu
dürfen, dafür letztendlich von der Justiz unbehelligt zu bleiben und dann
auch noch genüsslich mit ansehen zu dürfen, wie die Gegner vor Gericht
gezerrt und verurteilt werden....“ Redaktion des LabourNet Germany am
23.07.2010
http://www.labournet.de/solidaritaet/lng_torte2.html
Tags: Tortenprozess, Bochum, bo-alternativ, Antifaschismus, Neonaziaufmarsch